09-In den Kleinen Kaukasus und zu Stalin



11. Oktober 2017, Mittwoch
In Tbilisi kommen wir wie gewohnt spät los. Für die Weiterfahrt vertrauen wir unserer Handydame Klara. Allerdings kann Klara auch nicht alles wissen. Sie führt uns hoch in die Berge bei Tbilisi und dann kommen wir nicht weiter. Die Straße ist eine Baustelle. Hier ist wohl vor Jahren ein Berg ins Tal gekommen. Seit langem scheint hier gebaut zu werden. Die 20 km, die wir vorher hoch gefahren sind geht es jetzt wieder runter in die Stadt und dann durch die Auto geplagte Metropole.
Tbilisi von oben

Anschließend kommen wir durch atemberaubende Landschaften des Kleinen Kaukasus. Bewaldete Berglandschaften, steppenähnliche große Weiten, wilde Täler, drei große Seen bieten sich unseren Blicken dar. Zum Ufer kann man nicht hinunterfahren. Schade.


Die Straße wird sehr schlecht, Schlagloch an Schlagloch, schmutzige Dörfer, es wird dunkel, wir brauchen einen Übernachtungsplatz. Es wird der Klassiker: im Zentrum von Ninotsminda gegenüber von Polizeistation und Banken.

12. Oktober 2017, Donnerstag
Ninotsminda am Kleinen Kaukasus: um 7.00 Uhr -2°C.
Die restlichen 60 km bis zur Felsenstadt Vardzia, ein Großteil davon unten am Fluss entlang, durch eine zauberhafte Landschaft! Wir fahren langsam und genießen das Fernsehen und das Nahsehen.
Und dann Vardzia: wir blicken auf eine fast 500m hohe Felswand mit unzähligen offenen Wohnhöhlen, unten der Fluss, oben der Himmel. Fotografieren und dann hin zum Erkunden dieser unwirklichen Welt.
Felsenstadt Vardzia

Die Höhlen konnten im Kriegsfall bis zu 50 000 Menschen Zuflucht gewähren. 800 Mönche pflegten und verwalteten die Anlagen und legten Vorräte an Lebensmitteln für den Ernstfall an.
2 000 Säle und Kammern, die miteinander verbunden waren bildeten das Höhlenlabyrinth. Zugang war nur über Leitern und ein ausgeklügeltes Treppensystem möglich, faktisch uneinnehmbar. Trotzdem schafften es die Mongolen und später die Osmanen das Kloster durch Verrat einzunehmen. Ein Erdbeben Anfang des 19. Jahrhunderts zerstörte die meisten Stollen und Säle. Alle Treppen und Eingänge, die man heute sieht waren vor dem Erdbeben verdeckt.









13. Oktober 2017, Freitag
Ein Esel und drei Kühe besuchen uns zum Frühstück an unserem Übernachtungsplatz gegenüber der Höhlenstadt / des Höhlenklosters Vardzia. Einfach nur schön!


Panoramafahrt durch Schluchten, diesmal nicht über die Berge, bis nach Borjomi, der Stadt der Kuren und des Mineralwassers. Die Gegend hier ist anders als bisher, mehr alpenländisch. Die Gehöfte sind nicht so abgeschlossen, sonder man kann hineinsehen, alles aufgeräumter, das ist fürs Auge viel angenehmer. Die Hänge sind bewaldet.

Hier in Borjomi hat schon der russische und georgische Adel gekurt, Tschaikowski und weitere Geistesgrößen waren hier. Borjomi ist jetzt langsam wieder auf dem Weg zum mondänen Kurort. Den Eindruck haben wir jedenfalls.



Lecker Tomaten

Tolle Bäderarchitektur

Von der Seilbahn aus auf die Stadt gesehen

Da sind wir drin

Wein kaufen wir bei einem jungen georgischen Paar, die Jahre in Berlin gelebt haben, ihre Tochter ist vor vier Jahren dort geboren worden. Sie sind zurück nach Georgien gegangen.

14. Oktober 2017, Samstag
Bakuriani ist ein Wintersportort in der Nähe von Borjomi. Eine Schmalspurbahn fährt in 2 1/2 Stunden hin und in 2 1/2 Stunden wieder zurück. Bei aller Schönheit, 5 Stunden Bahnfahrt wollen wir uns nicht antun. Mit einem Taxi fahren wir die 30km hoch in die Berge. (30 Lari etwa 10€). Der Fahrer fährt uns zur Seilbahn, die ist noch außer Betrieb. Zurück in den Ort. Überall wird gebaut und asphaltiert. Zur Saison ist hoffentlich alles fertig. Wir finden eine der wenigen offenen Gaststätte und essen lecker. Dann langsam zum Bahnhof und dann 2 1/2 Stunde mit der Schmalspurbahn die 40 Bahnkilometer auf wackeligen Schienen nach Borjomi. Es rüttelt sich und es schüttelt sich so nach unten. Wir sitzen in der 2. Klasse und zahlen für die Fahrt nach unten zusammen 2 Lari, das sind für uns zwei etwa 70 ct. Nicht zu glauben! Wir hatten nicht geglaubt, das es weitere Fahrgäste gibt. Es gibt. Die Bahn hält mehrfach auf freier Strecke, damit ein Waldarbeiter mit seiner Axt nicht soweit laufen muss, ein Mann mit Enkel ebenfalls einen kürzeren Weg hat. Sehr angenehm.
Baustelle Wintersportort Bakuriani

Bahnhof in Bakuriani

Irgendwo in Bakuriani

Unser Zug


Gerade ausgestiegen

An einem Bahnhof unterwegs



Unten in Borjomi angekommen wartet das nächste Problem: wie kommen wir zum Wohnmobil? An der städtischen Bushaltestelle frage ich die wartenden Damen, wie man ins Zentrum kommt. Mit der Marschrutka, kommt gleich ist die Antwort. Die verbliebenen Vokabeln aus der Schulzeit werden ausgekramt: Guten Tag, eins, zwei drei, ... ein Mitfahrer war zu Sowjetzeiten als Offizier in Dresden, ich frage nach Herrn Putin, war wohl das berühmte Fettnäpfchen! War aber weiterhin eine gute Stimmung im Ford-Kleinbus. Beim Aussteigen sorgt der angeknotete Gurt dafür, dass die Tür nicht zu weit aufgeht. Abenteuer Marschrutka fahren.
Wir sind seit einem Monat in Georgien. Die Telefonkarte muss nachgeladen werden. Ich gehe in die Stadt, frage bei der Stadtinformation nach. Der junge Mann macht seinen Laden zu, fährt mit mir zu sich nach Hause, holt seine Bankkarte, fährt mit mir zusammen zum Automaten bei seiner Bank, tilgt alle Vorgänge mit seiner Karte, ich gebe ihm meine Lari und habe zum Schluss mein Handy nachgeladen. Ein klasse Erlebnis diese Hilfsbereitschaft!

15. Oktober 2017, Sonntag
Morgen habe ich meine letzte Tollwutimpfung. Das Hospital hier in Borjomi haben wir schon ausgekundschaftet. Es regnet.
Wir fahren zurück in den Süden 50 km bis nach Akhaltsikhe. Hier steht eine fein restaurierte Burg, sie wurde 2012 wieder eröffnet. Für uns ist es irgendwie ein Disneyland. Aber trotzdem sehr schön.











Auf dem Rückweg suchen wir den Friedhof der deutschen Kriegsgefangenen des zweiten Weltkrieges. Das Hinweisschild hatten wir auf der Fahrt nach Akhaltsikhe entdeckt. Trotz des einstündigen Suchens finden wir die Gräber oder Hinweise darauf nicht. Schade.


16. Oktober 2017, Montag
Es regnet. Hospital Borjomi zur letzten Tollwutspritze. Es geht sehr schnell und professionell.
Weiter nach Gori ins Stalinmuseum. Stalin wurde in Gori geboren. Aufarbeitung von Geschichte sieht wahrscheinlich anders aus. Es gibt eine Tür im Erdgeschoss die an die Millionen Opfer von Repression und Staatsterror erinnert. Da geht aber kaum einer rein, weil man denkt, das ist eine Abstellkammer.
Rechts neben der Treppe ist der Raum mit den Hinweisen auf Repression und Staatsterror

Alles andere lässt sich mit dem Wort Personenkult beschreiben. Bilder und Schrift kaum lesbar oberhalb der Augenhöhe angebracht. Man muss von unten nach oben zum großen Stalin und seinem Leben aufsehen. Stalins Leben als Führer der kommunistischen Welt, Stalin in schönen und generösen Gesten, Stalin als Revolutionär, Stalins Schriften in verschiedensten Sprachen, Stalin als Sieger des 2. Weltkrieges, Stalin mit Staatsmännern, Stalin mit seiner Mutter auf mehreren Gemälden, Stalin auf gewebten Teppichen, auf Vasen ... Monumental und auf dem Stand von 1953.

Der Massenmörder am eigenen Volk wird zum Fotoevent - das sind Russinnen. 


Eingang zum Stalinmuseum in Gori, seiner Geburtsstadt






Ein im Bau befindliches Haus in der Nähe des Stalin-Museums

Es regnet weiter, in Richtung Westen/Schwarzes Meer sieht der Himmel freundlicher aus. Also auf nach Kutaisi. Von dort aus werden wir morgen die Prometeus-Höhle in der Nähe erkunden.


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