2017-Georgien-04-In die Berge nach Svaneti - Mestia und Ushguli


16. September 2017, Sonnabend
Fahrtag Anaklia - Mestia
Vorgesehen hatten wir, hier zwei Nächte zu bleiben. Die Nacht war sehr warm, der Tag verspricht sehr heiß zu werden, nichts für uns, also nichts wie weg hier und ab in die kühleren Berge.
Strand von Anaklia - Das Boot ist ein Grenzerboot, hier beginnt die russisch besetzte / unterstützte Teilrepublik Abchasien. Diese georgische Provinz ist nicht durch Georgien kontrolliert. 

180km sind es bis Mestia, oben in den svanetischen Bergen. Dafür brauchen wir mit Pausen über sechs Stunden.
Es ist normal, dass sich Kühe, Schweine, Hund und zum Teil auch Hühner frei auf den Straßen bewegen. Kühe bleiben liegen und der Verkehr fährt drumherum.


Vor Schulen und öffentlichen Gebäuden sind Verkehrsschikanen in Form von Aufpflasterungen vorgenommen. das zwingt zum Abbremsen auf Schrittgeschwindigkeit. Nach zwei Mal drüber mit fast Zerlegen des Wohnmobils haben wir es gelernt und verstehen, hier in Georgien kann auf der Straße immer was passieren. Es gibt nämlich auch recht große nicht angekündigte Löcher. Die georgischen Autofahrer kennen kein Blinken und fahren auch sonst sehr eigenwillig. Den Paragraphen eins der deutschen Straßenverkehrsordnung "Vorsicht und gegenseitige Rücksichtnahme ..." scheinen sie hier nicht zu kennen, geht ja auch nicht, hier gilt ja die georgische StVO. Stattdessen scheint ein Kampf, wer ist der Rücksichtsloseste, wer ist der Erste, wer ist der Schnellste das Hauptziel des heimischen Verkehrs zu sein.
Wir wollen nicht Erster, Schnellster oder Rücksichtslosester sein, kennen den Blinker und nutzen diesen auch konsequent, die Farbskala der Ampeln ist uns geläufig und wir kommen damit sehr gut durch.
Unser Weg geht fast die ganze Zeit am Fluss Inguri entlang. Zwischendurch ist er angestaut zu einem langen Stausee mit türkisblauem Wasser. Und überall phantastische Berglandschaft!






Viele Gehöfte bieten zwar in Mestia Camping an, aber mit dem Wohnmobil kommt man da nicht rauf. Ohne zu suchen finden wir "den" idealen Campingplatz hier im Ort.

17. September 2017, Sonntag
Ausruhtag auf dem Campingplatz "Svanland"
Hier finden gerade die "deutschen Campertage" statt.
Janine und Fridolin aus Augsburg sind mit ihrem Camper auf Welttour. Australien könnte das Endziel sein.
www.a-fabulous-world.de

Paul und Julian sind mit den Rädern unterwegs
Bike2climb.wordpress.com

Neben uns das junge Moskauer Paar mit dem zweijährigen Sohn war vor der Familienplanung für 11 Monate einmal um die Welt unterwegs. Sie spricht recht gut deutsch.
Verabschiedung von erwachsenen Menschen

Nachbars Auto wird beschmiert

Wir sind auch dabei - übrigens, es lohnt sich dort auf den Seiten mal nachzulesen.


18. September 2017, Montag
Heute geht es uns trotz der Magen-Darmprobleme ganz gut. Also mit den Räder 7km bis zum fahrbaren Ende und dann 2,5km 300 Höhenmeter durch den Wald bis zur Gletscherzunge. Das war der Plan.
Wie es so ist, wir kommen sehr spät los. Es wird schon sehr heiß. Es geht 7km bergan und die Sonne brennt. 300 m vor der Hütte zu der wir wollten wird es Petra schwindelig. Ab in den Schatten und ausruhen. Nach einigen Minuten können wir weiter. An der Hütte lange Pause. Die Wasser- Zuckerdepots haben wir unterwegs regelmäßig aufgefüllt.




Ok, wir können los. Durch Schatten wandern wir im Wald hoch. Die Mägen melden sich. Nach vielleicht 1,5km meldet sich Petras Magen mit Wucht. Zur Seite, alles will raus aus dem Darm. Langsam können wir weiter gehen. Wasser aus der mitgeführten Flasche regelmäßig getrunken.

Trotzdem jetzt will der Körper nicht mehr. Schwindelig! Ohnmacht nahe, Ohnmacht ist da. Hinsetzen, hinlegen, nochmal will der Darm sich entleeren. Wasser trinken.

Ab hier kann es nur noch zurück gehen. Au weia, wie kommen wir zurück. Erst mal Petra in die Waagerechte bringen. Wenn du denkst es geht nicht mehr, kommt irgendwo ein Lichtlein her. Der Lichtblick waren zwei polnische Ärztinnen aus Szczecinek, die uns sehen und sofort handeln: Puls fühlen, lang legen, Kopf runter, Beine hoch, trinken. "Auf dem Rückweg nehmen wir euch mit runter! Keine Widerrede!" Petras Blutdruck war im tiefsten Keller.
Petra erholt sich schneller als gedacht. Auf dem Waldboden wird es langsam kühl. Also langsam zurück. Klappt Klasse.
Ein Wunder, bis hierher haben wir es geschafft!


Nochmal ausruhen bei den Rädern, wir fühlen uns jetzt wo es kühler geworden ist viel besser. Auf die Räder und runter. 7km fast ohne zu treten bergab. Vorhin hoch war wohl, trotz Elektrounterstützung, doch eine Anstrengung. Wir radeln gut runter, unsere Retterinnen überholen uns, gestrenger Blick, alles in Ordnung? Jo! Na gut!
Für heute sollte das an Ärger reichen. Es gibt immer noch eine Steigerung! Beim Runterradeln beißt mich ein Hund von hinten in die Wade!
Am Wohnmobil angekommen Impfausweis raus, Tollwutschutz haben wir nicht. Im Internet recherchieren. Im Osten Georgiens gab es Tollwutfälle. Verlauf der Tollwut ist tödlich, wenn nicht gehandelt wird. Handel ist angesagt. das georgische Gesundheitswesen wartet auf unseren Test.
Mestia hat ein Hospital. Aufs Rad und hin. Verständigung über Russisch, Englisch und Georgisch per App. Um 10 Uhr abends war ich da und um 11 Uhr hatte ich meine erste Tollwutspritze für 100 Lari, etwa 35 Euro. Morgen um 13 Uhr soll ich nochmal vorstellig werden.

19. September 2017, Dienstag
Heute ist erholen/genesen/ausruhen angesagt.
Ein Pärchen mit Motorrad aus Deutschland ist gestern angekommen. Auch alles hinter sich gelassen und erstmal raus aus dem Stress und die Welt kennenlernen. Indien könnte ein Ziel sein.
www.geschmackswelt.de

Um 13 Uhr bin ich wie angewiesen im Krankenhaus und komme mit einem auf georgisch geschriebenen A4-Blatt wieder, auf dem exakt beschrieben ist, wie ich mich zu verhalten habe. Das Einzige, was ich lesen kann, sind die Daten für die Folgeimpfungen und wie das Serum heißt.
In einem Reisebüro zeigen wir Fotos, die Dorli, Petras Filmklubfreundin uns mitgegeben hat. Wir sollen diese an die Personen auf den Fotos übergeben. Ja, Josef/Jaroslaw kenne ich, der wohnt in Ushguli. Morgen fährt ein Marschrutka dorthin.
Die Frau Nelli kenne ich auch, wenn ihr wieder hier seid werde ich sie anrufen und sie wird kommen.
Auf dem zentralen Platz hören wir Musik, als wir ankommen ist alles vorbei und eine Frau spricht uns an und sagt: He, Sie sind aus Neustrelitz und der Nachname fängt mit Z an.
Mit Frau G. hatte ich über die AWO/TESA vor über 10 Jahren als Schulleiter zu tun. Das war eine gute Zusammenarbeit. Seit 10 Jahren ist sie aus persönlichen und beruflichen Gründen in Potsdam.

Freude übers Wiedertreffen sehr groß. Bis uns das Kreuz wehtut erinnern wir uns an alte Zeiten und erkundigen uns gegenseitig nach dem Leben des Anderen in den vergangenen 10 Jahren. Das geht nahe, das ist schön.

20. September 2017, Mittwoch
Mit dem Marschrutka nach Ushguli. 46km schaffen wir in etwas mehr als zwei Stunden. Das sagt alles über den Zustand der Straße aus. Die ersten 10km sind Betonstraße, dann wird es ein besserer Feldweg, der sich in Serpentinen um die Berge schlängelt. Für diese Bedingungen ist das dann doch recht schnell. Gut durchgerüttelt kommen wir in Ushguli an. Im Hintergrund überragt das Shkhara-Massiv 5068m eindrucksvoll das Tal. Abgeschiedenheit, Ruhe und Erhabenheit, hier ist die Welt noch in Ordnung. Wir sind hier auf ungefähr 2500m Höhe.
Auf dem Weg nach Ushguli


Unsere Straße - dieser Teil ist recht gut






Unsere Aufgabe ist es, Bilder zu übergeben. Bei den Marschrutka-Fahrern / Taxi - Fahrern Bilder zeigen.
An der Brücke die Taxifahrer
Wo finden wir den? Da oben hoch hinterm Berg im Hotel xy. Nochmal nachfragen im Cafe. Ja, genau dorthin. Es ist gar nicht soweit.
Ushguli


Die kurze Strecke bis zu Josephs/Jaroslawls Haus ist kein Problem. Er ist zwar nicht da, kommt aber gleich. Gleich bedeutet eine dreiviertel Stunde.
Warten auf Jaroslaw


Und dann kommt Jaroslaw mit seinem Pferd den Berg hinterm Haus hoch. Große Freude bei ihm über die Bilder. Wir freuen uns genau so wie er.


Ergriffenheit



Auf dem Rückweg - Liebesturm

Man achte auf die Straße

Unser Expeditionsfahrzeug

Kurz vor Mestia

21. September 2017, Donnerstag
Zweite Tollwutimpfung im Hospital von Mestia. Wenn man denkt, mit den 100 Lari sind alle Kosten beglichen, dann hat man sich "verdacht". 21 Lari sind diesmal dran.
Auf dem Rückweg bei unserer Frau vom Ticketbüro vorbei, sie ruft Nelli an, die nächste Person auf den Bildern. Nelli ist eine Viertelstunde später da, sieht die Fotos und ist ergriffen. Das jemand so weit weg und nach so langer Zeit sich an sie erinnert und die Fotos hierher bringen lässt, das hat sie nicht erwartet.


Bei Nelli am Hause
Im Gespräch erkennt sie mich als den Tollwutpatienten vom Montag Abend. Hauptamtlich arbeitet sie im Hospital.
Unsere Dame vom Ticketbüro

22. September 2017, Freitag
Mit Taxi und Seilbahn lassen wir uns rund 1000 Meter höher bringen. Von hier hat man eine überwältigende Aussicht auf die Berge des Großen Kaukasus. Wir sehen den Gletscher, zu dem wir am Montag wollten, den Ushba 4700m hoch mit zwei schroffen Gipfeln, das ist der Hausberg von Mestia. Dort, in der Richtung wo wir den Elbrus, mit 5642m der höchste Berg Europas, vermuten versperrt der Douguzuk-Chegem-Karabashi mit seinen 4411m die Sicht. Den Elbrus kann man von hier aus nicht sehen wird uns gesagt.
In der Mitte - der Ushba

Nochmal der Ushba

Hinter diesem Berg liegt wohl der Elbrus.


Unser Gletscher, bis dahin haben wir es nicht geschafft

Weil er so schön ist - der Ushba

Dort unten links, neben der Schule stehen wir - das Wohnmobil ist nicht zu sehen, da ein Haus und der Baum das Womo verdecken.

Im Winter ist das hier wohl ein Skigebiet bester Güte bei guten Preisen.
Seit 2008, also vor 9 Jahren wurde Mestia neu gestaltet. Aus dem Reiseführer Georgien von Marlies Kriegenherdt: "Doch die Autorin erinnert sich noch sehr gut an ihren ersten Aufenthalt in einem tristen Ort, die "Straßen" nichts als Schlamm und Kuhdung. In den Häusern fehlte es an vielem. Ein paar Kioske, eine Tone-Bäckerei und eine dunkle Kneipe, eine Verkaufsstelle für Benzin aus Kanistern und Flaschen, das war die dörfliche Infrastruktur."


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