23.
September 2017, Sonnabend
Fahrtag
Mestia - Staumauer und etwas weiter zum Schlafen
Gegen
Mittag kommen wir von unserem Campingplatz in Mestia los. Hier hat es
uns sehr gut gefallen, aber alles geht einmal zu Ende.
Dieselbe
Straße, die wir vor einer Woche hochgefahren sind geht es jetzt
bergab.
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| Mestia - Abfahrt vom Campingplatz |
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| Stausee oberer Beginn |
Die Staumauer verpassen wir diesmal nicht. Die pure Eleganz
der Mathematik und der Physik. Sehr schön und sehr funktional.
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| Fluss unterhalb der Staumauer |
Übernachten
100m neben der Straße 1 bei Khobi.
24.
September 2017, Sonntag
Am
Montag ist die nächste Tollwutimpfung fällig. In der zweitgrößten
Stadt Kutaisi müsste es ein Hospital geben, in dem ich mich piecksen
lassen kann. Wir suchen und finden ein Hospital, fragen nach und
finden, dass man hier auch über Nacht stehen kann.
Kutaisi
war an die 400 Jahre lang die Hautstadt des Kolchis-Reiches, dem
Sonnenland Aia. In der Argonautensage fahren Jason und seine Getreuen
mit dem Schiff Argon nach Kolchis um dort das "Goldene Vlies"
zu rauben.
In der
Nähe von Kutaisi befindet sich die Akademie von Gelati. Hier wurde
nach dem Vorbild der Akademie von Konstantinopel - Geometrie,
Arithmetik, Astronomie, Musik, Grammatik, Rhetorik und Dialektik -
unterrichtet. Und das ab 1106, vor über 900 Jahren! Heute
Weltkulturerbe der UNESCO. Nur ein paar Steine, kunstvoll
zusammengesetzt atmen den Hauch der Geschichte.
In der
Kirche des Anwesens wird neben den Besichtigungen ganz normal
geheiratet. Ganz chic, mit Kronen und so, scheint mir aber doch mehr
ein Termin für Fotos zu sein. Während die beiden Popen ihre
liturgischen Gesänge und Gebete von sich geben wird von der
Verwandtschaft und Freunden gefilmt und geknipst.
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| Akademie von Gelati |
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| hübsch! |
Zurück
nach Kutaisi. Neben einem Polizeiauto auf dem Hauptplatz halten wir
und fragen, wo wir den mit unserer Kiste parken können. Da hinten,
neben den Taxen, bezahlen? Nein.
Bummel
durch Kutaisi samt Abendbrot essen in einem Restaurant an der Straße.
Der Rotwein ist Spitze, das Fleisch etwas wenig, was andererseits gut
für unsere Bäuche ist.
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| Kutaisi - Springbrunnenplatz |
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| Der Filmklub ist auch schon hier |
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| Kutaisi - Fassade am Basar |
Zum
Übernachtungsplatz am Hospital.
25.
September 2017, Montag
Um neun
sind wir mit dem Frühstück fertig, ab ins Hospital. Das öffnet
erst um 10 Uhr. Dann eben warten. Kurz vor 10 an der Rezeption, mein
A4 Blatt mit georgischen Schriftzeichen lege ich vor. Über das
Gesicht huscht ein verstehendes Lächeln. Allerdings, das Medikament
- die Spritze müssen Sie in der Apotheke "Alians", 3km von
hier entfernt, kaufen und dann mitbringen. Die Handy-Dame Klara
befragen und dann hin. Nach einer halben Stunde habe ich die Spritze
und kann mich nun immunisieren lassen. Rein zur Ärztin, Picks,
fertig, raus.
Gelesen
und im Film beim MDR gesehen haben wir, dass es in Chiatura ein
Kabinen-Seilbahnnetz als öffentliches Verkehrsmittel gibt. Sehr
spannend, da müssen wir mit fahren.
Knapp
40km fahren wir auf dem engen und kurvigen Kammweg ins Tal nach
Chiatura. Hier wurden bis zu 60% der Welt-Mangan-Produktion erzeugt.
In den 90-er Jahren war die Erzausbeute erschöpft. In wesentlich
bescheideneren Mengen wird zur Zeit produziert. Die deutschen
Bergbaumagnaten hatten sich zu Zeiten des Zarenreiches die
Schürfrechte gesichert. Unter der sowjetischen Regierung war Schluss
damit.
Zu den
Seilbahnen beschreibt unser Reiseführer: 26 Kabinenseilbahnen für
den Personenverkehr mit einem Streckennetz von 6 km, die die
Stadtviertel miteinander verbinden, allesamt uralt, in denen über
dem Abgrund zu gondeln mehr Mut erfordert als eine Fahrt mit der
Achterbahn.
Bei der
Anfahrt erstaunt uns die Größe der Stadt. Hochhäuser und
heruntergekommene sowjetische Neubaugebiete im engen Talkessel und
oben auf den Bergen der Stadt. Andererseits, die Stadt hat was und
gefällt vor allem auch von oben.
26.
September 2017, Dienstag
Heute
wollen wir nach Ateni Sioni und zur Höhlenstadt Uplisziche. Die
Straße durch das Tana-Tal im Trialetischen Gebirge ist eng und
schlecht. Die Zionskirche von Ateni aus dem 7. Jahrhundert soll auf
einer Anhöhe thronen. Wir sehen auch nach einigen Kilometern nichts
und freuen uns, dass wir einen Platz zum Wenden finden. Und dann
nichts wie zurück.
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| Straße im Tana-Tal |
Dann
also zur Höhlenstadt Uplisziche, der "Festung Gottes".
Eingeben ins Smartphone, Klara wird den Weg schon finden. Wir landen
in einem engen Dorf und freuen uns auch hier ohne anzuecken wieder
raus zu kommen. Routenplanung aus und dann per Intuition auf der
Hauptstraße bis zum Wegweiser fahren. Geht alles sehr einfach und
die Straße ist auch in Ordnung. Hier auf dem Parkplatz vor der
Höhlenstadt kann man auch gut übernachten. Ein Wohnmobil aus Basel
steht schon hier.
Vor
3500 Jahren sind die Höhlen in den Felsen gegraben worden. Die
Seidenstraße ging hier vorbei. Die Mongolen haben die Anlage
verwüstet und nach dem Abbruch der Handelsbeziehungen zu Westeuropa
in Folge des Untergangs des Byzantinischen Reiches begann der Verfall
und die letzten Bewohner verließen Uplisziche im 18. Jahrhundert.
Dafür
sind wir jetzt hier und bewundern die Zeugen der Vergangenheit.
Mit
Julia und Luc aus Basel leeren wir unseren georgischen Sekt und das
vorhin gekaufte georgische Bier. Sie sind mit dem Studium fertig und
werden am Ende des Jahres nach Barcelona gehen. Er als Physiker an
die Uni und sie als "werden wir noch sehen". Bis dahin
schauen sie sich diesen Teil der Welt an.
27.
September 2017, Mittwoch
Weiter
nach Tbilisi, wir kommen in der Rushhour an. Stadtbesichtigung vom
Auto aus. Wir suchen einen Platz an dem man vernünftig stehen kann,
fragen an einem renommierten Hotel. Hier erhalten wir den Hinweis auf
das Naherholungsgebiet Lisi Lake. Einem See etwas größer als der
Glambecker See in Neustrelitz. Der Platz ist bewacht, hier steht das
Wohnmobil auch bei Abwesenheit sicher. Mit dem Taxi kann man sich gut
in die Stadt fahren lassen. Das werden wir morgen tun. An einer
Verkaufsbude spricht uns die Verkäuferin auf deutsch an. Sie hat
deutsch in der Schule gelernt. Dabei auch Goethe und Hauptmann im
Original gelesen / lesen müssen. Beeindruckend, deutsche Klassiker
in der Sowjetunion.
28.
September 2017, Donnerstag
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